Verhaltensauffälligkeit – Aggressivität

Definition

Aggressivität ist eine psychische Kraft/Emotion sowie ein Verhalten mit Schädigungsabsicht. Diese kann offen und verdeckt (z.B. Rufmord oder Manipulation) erfolgen. Sie kann sich gegen Personen oder Gegenstände richten.

Formen des aggressiven Verhaltens

  1. aggressives Verhalten
    > gegen Menschen und Tiere
    > grundlegende Rechte eines Lebewesens werden verletzt
    > es geht vom Einsatz von Waffen bis hin zu sexuellen Gewalt
    > Gewalt findet auch gegenüber sich selbst statt
  2. aggressiv dissoziales Verhalten
    > Zerstörung von Eigenheim anderer Personen (Brandstiftung, Ladendiebstahl,….)
  3. oppositionelle Verhalten
    > Trotzverhalten = dominant dagegen, immer contra
    > dies tritt gegenüber mehreren Personen auf
    > sowie in mehreren Lebensbereichen

Ursachen für aggressives Verhalten

  • Deprivation (Fehlende Zuwendung, unsichere Bindung)
  • zerrüttete Familien
  • Gewalt in der Familie oder Freundeskreis
  • frühkindliche Traumata
  • Erkrankungen/Beeinträchtigung
  • Mobbing
  • Überforderung/Leistungsdruck
  • Unterforderung/Langeweile
  • Armut
  • negatives Selbstkonzept
  • Drogen
  • Überbehütung
  • mangelndes Werte und Normgefüge

Liste für aggressives und aggressives-dissoziales Verhalten

  • hat für sein Alter ungewöhnlich häufige und schwere Wutausbrüche
  • wird schnell wütend
  • streitet häufig mit Erwachsenen
  • wiedersetzt sich häufig aktiv den Anweisungen oder Regeln von Erwachsenen, oder weigert sich, diese zu befolgen
  • ärgert andere häufig absichtlich
  • schiebt häufig die Schuld, für eigenen Fehler oder eigenes Fehlverhalten auf andere
  • ist leicht reizbar
  • ist häufig zornig oder ärgert sich schnell
  • ist häufig boshaft oder rachsüchtig
  • beginnt mit Geschwistern häufig Streit
  • bedroht, schikaniert oder schüchtert andere ein
  • quält Tiere
  • lügt oft, um sich Güter oder Vorteile zu verschaffen oder um Verpflichtungen zu umgehen
  • stielt heimlich Geld oder Wertgegenstände
  • bleibt trotz Verbotes auch nach Einbruch der Dunkelheit draußen
  • schwänzt häufig die Schule
  • hat eine Waffe und benutz diese um anderen schweren Schaden zu zufügen (z.B. Messer, Schlagstock)
  • war körperlich grausam zu Menschen (z.B. hat jemanden Gefesselt oder durch Feuer oder mit einem Messer verletzt)
  • hat jemanden in seiner Abwesenheit bestohlen
  • hat andere zu sexuellen Aktivitäten gezwungen
  • hat vorsätzlich Feuer gelegt
  • hat vorsätzlich fremdes Eigentum zerstört
  • ist in fremde Wohnungen eingebrochen
  • ist mindestens zweimal über Nacht weggelaufen

methodisches arbeiten bei aggressiven Verhalten bis zum 6 Lebensjahr

  • positives Verhalten bekräftigen und negatives Verhalten sanktionieren
  • wenn niemand gefährdet ist: Ignorieren (ist auch eine Sanktion)
  • wenn andere betroffen sind: Unterbrechen und aus der Situation herauslösen
    > Kind in einen anderen Raum schicken (nur bei älteren), kleinere Kinder Auszeit nehmen (höchstens 5 bis 6 Minuten)
  • nach der Auszeit: reflektieren
  • „Wutecken“ (Schaumstoffwürfel, Mattenecke, Bällebad..)
  • psychomotorische Materialien bieten sich häufig für aggressive Kinder an (zum beruhigen)
  • anderen Kinder erklären, warum das Kind jetzt ins das Bällebad darf und deutlich machen das dies keine Belohnung ist
  • einfach im Arm halten und schaukeln, beruhigt meistens die Kinder im Vorschulalter

methodisches arbeiten bei aggressiven Verhalten ab dem 6 Lebensjahr

  • Kind gut beobachten: bei häufigen Wiederholungen:
    > Elterngespräch führen
    > professionelle Hilfe empfehlen
    > wenn die Eltern sich strikt weigern, geht die Sicherheit der anderen Kinder vor und eventuell muss im Team entschieden werden ob vielleicht der Betreuungsvertrag beendet werden muss
    > aber vorher soziales Netzwerk aktivieren

Palawer-Zelt

Palawer-Zelt = Diskussionslösung zur konstruktiven Konfliktlösung

  1. Fremdschutz > andere in Sicherheit bringen
  2. Selbstschutz
  3. Alle bekommen die Möglichkeit sich zu beruhigen (Auszeit)
  4. In der Gesprächsrunde erklären alle „blitzartig“ wie sie die Situation erlebt haben
  5. Was wünscht ihr euch/du?
  6. Was davon ist umsetzbar? Das ganze festhalten. (kleinschrittig arbeiten)
  7. Ausgearbeitetes aufhängen

Wenn Ausraster 3 mal wöchentlich vorkommen, ist eine Therapie erforderlich!

Phasen des Anti-Aggression-Training (Erwachsene)

  1. Integrationsphase 
    > dauer 5 Stunden
    > Kennenlernen der Teilnehmer sowie besprechen der Ziele und Regeln des Trainings
    > Ziel: Gewaltminderung, andere Konfliktlösungen aufzeigen
    > Grundregeln: regelmäßige Teilnahme, mitarbeiten, zwei „heiße Stühle“ absolvieren, Gewaltverzicht körperlich und verbal, Alkohol und Drogen sind verboten und es gilt die Schweigepflicht
  2. Konfrontationsphase
    > dauer 38 bis 48 Stunden
    > erster Teil: genaues Interview der Gewalttäter, das heißt: Offenlegung aller Situationen seines Lebens, muss alles von sich preisgeben
    > zweiter Teil: Neutralisierungstechniken = Was hätte ich anders machen können?>
    > „Heißer Stuhl“ = es wird auf den Schwachpunkten herum geritten PROVOKATION
  3. Gewaltverringerungsphase
    > dauer 24 bis 36 Stunden
    > Übungen die dazu dienen andere Konfliktlösungen zu finden/entwickeln
    > Opferbriefe schreiben
  4. Nachbetreuungsphase
    > regelmäßige Treffen der Gruppe
    > Reflexion der vergangenen Zeit 
    > Täter, Opfer ausgleich

Quellen

  • „Liste für aggressives und aggressiv-dissoziales Verhalten“ in Anlehnung an Döpfer, M. et al. (2008).
    Diagnostik-System für Psychische Störungen im Kindes- und Jugendalter nach ICD-10 und DSM-IV (DISYPS-2).Bern:Huber.


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