Gruppe, Inklusion, Integration, Anti-Bias-Ansatz, Diversität, Diskriminierung & Exklusion

Gruppe

Definition Gruppe

Eine Gruppe besteht aus mehreren Menschen, die deswegen zu einer Einheit zusammengefasst werden, weil sie durch direkte Kommunikation und Interaktion miteinander in Wechselbeziehung stehen.

Gruppen haben

  • 3 bis ca. 20 Mitglieder (von Großgruppen spricht man ab ca. 20 Mitgliedern)
  • eine gemeinsame Aufgabe oder ein gemeinsames Ziel
  • die Möglichkeit der direkten (Face-to-Face) Kommunikation
  • eine gewisse zeitliche Dauer, von 3 Stunden (der durchschnittlichen Lebensdauer vieler Gruppen aus der experimentellen Psychologie) bis zu vielen Jahren

Gruppen entwickeln

  • ein Wir-Gefühl der Gruppenzugehörigkeit und des Gruppenzusammenhalts
  • ein System gemeinsamer Normen und Werte als Grundlage der Kommunikations- und Interaktionsprozesse
  • ein Geflecht aufeinander bezogener sozialer Rollen, die aus das Gruppenziel gerichtet sind

Merkmale

  • verhaltensintegrierendes Rollensystem
  • enge soziale Interaktion
  • gemeinsame Normen und Ziele
  • Wirkung des sozialen Kraftfeldes
  • Wir-Gefühl

Gruppenphasen

Gruppenphasen - Phasen 1-5 - Formin - Storming - Norming - Performing Trennung - Erziehung - Kita - Kinder
Gruppenphasen in der Kita

Phase 1 Beginn: Orientierung und Exploration (Formin)

Gruppensituation

  • es herrscht Unsicherheit und Angst
  • man versucht, die anderen kennen zu lernen u. testet die sympathisch Wirkenden
  • Kontakte verlaufen eher distanziert
  • man versucht Ordnung zu schaffen u. Überblick zu gewinnen
  • man hofft auf Hilfe des Gruppenleiters, der aber ebenfalls in seinem Verhalten getestet wird
  • unverbindliches Verhalten u. Ich-Denken dominieren
  • Basis für weitere Beziehungen wird vorbereitet (Fremdheit-Zugehörigkeit, Macht-Abhängigkeit und Nähe-Distanz besitzen dabei zentrale Bedeutung)

es geht vorwiegend um Integration

Gruppenleiteraufgaben

  • für möglichst lockere Vorstellungsrunde sorgen
  • Ziel vorstellen
  • organisatorischen Rahmen vorstellen
  • inhaltliche Schwerpunkte vorstellen
  • Teilnehmern Möglichkeit geben, in Kleingruppen ihre Erwartungen an das Seminar/geplante Gruppenarbeit einzubringen u. sachliche Themen zu bearbeiten > Teilnehmer lernen sich näher kennen
  • Distanz zulassen, zu gegenseitigem Vertrauen ermuntern, Erkundungsprozesse fördern

Phase 2 Rollenklärung: Auseinandersetzungen und Machtkampf (Storming)

Gruppensituation

  • Beziehung zwischen den Einzelnen noch nicht stabil
  • Ich-Denken u. Selbstbehauptung noch im Vordergrund
  • Einzelnen versuchen Platz im Beziehungsgefüge zu finden
  • Festigung der ansatzweise vorhandenen Identifikation mit den anderen
  • Erkämpfung des eigenen Platzes in der Rangordnung („Hackordnung“)
  • gewisses Konkurrenzverhalten
  • viele Diskussionen => wenig Entscheidungen

es geht eher um Differenzierung als um Integration

Gruppenleiteraufgaben

  • Teilnehmern Möglichkeit bieten, vorhandene Stärken und Fähigkeiten zu zeigen
  • Machtkampf um eigen Position sollte sich gemeinsamen Ziel unterordnen
  • Teilnehmer nicht allzu sehr einengen, um eigene Postion nicht zu gefährden
  • Kontrolle über sich selbst behalten, damit nicht ungewollte neue Leiterrollen entstehen
  • Gruppenleiter wird öfters Blitzableiter für Gefühle u. Sündenbock => muss er in Kauf nehmen u. zeigen, dass er die Mitglieder verstehen u. zwischen ihnen vermitteln kann

Phase 3 Konsolidierung: Bindung und Vertrautheit (Norming)

Gruppensituation

  • Situation entspannter
  • starke Identifikation mit erkämpfter Rolle, den gemeinsamen Gruppenzielen u. den anderen Mitgliedern
  • Einzelnen sicher u. geborgen in Gruppe u. entwickeln Wir-Gefühl
  • emotionale Öffnung gegenüber anderen Teilnehmern
  • Entstehung eines gemeinsamen Bezugsrahmen, der gruppenspezifische Verhaltensnormen beinhalten (Symbole, Gruppensprache, Zeremonien, Kleidung usw.) => fördern Zusammenhalt
  • Mitglieder fühlen sich miteinander vertraut u. geborgen, obwohl auch Rivalitäten auftreten können

Integration dominiert

Gruppenleiteraufgaben

  • ablaufende Prozesse transparent machen
  • Konflikte im Ansatz erkennen u. auf kooperative Art mit Teilnehmern lösen
  • gruppenspezifische Verhaltensnormen akzeptieren u. nur wenn sie sich in problematischer Weise entwickeln zur Diskussionen stellen
  • Aufgaben je nach Tendenz verteilen
  • Verantwortung schrittweise delegieren
  • es besteht Gefahr für Gruppenleiter vom Wir-Gefühl gefangen genommen zu werden

=> deshalb am Thema orientieren, weil er die Gruppe wieder loslassen muss

Phase 4 Differenzierung und Festigung (Performing)

Gruppensituation

  • Gruppe ist voll etabliert
  • hat jetzt Kräfte, frei zu planen u. gemeinsam aus Ziel hinzuarbeiten
  • Mitglieder fühlen sich selbstsicher, stark u. vergleichen sich mit anderen Gruppen
  • Bildung von C (Gruppenselbstbild) u. Heterostereotyp („Die Anderen“, Fremdbilder)
  • Zusammenhalt in eigener Gruppe wird immer intensiver
  • Distanz zu anderen Gruppen wird größer

=> Je größer Distanz zu anderen Gruppen, desto enger der Zusammenhalt in eigenen Gruppe und umgekehrt!

  • Gruppe hat größte Stabilität erreicht, bestimmte Tradition entwickelt u. kann auch neue Mitglieder aufnehemen
  • Phänomen der Unifikation (einzelne Gruppenmitglieder überschätzen die Gemeinsam-keiten = Art Abwehrmechanismus, das einzelnen Mitgliedern unbewusst sein Gefühl der Geborgenheit in der Gruppe sichern will) kann eintreten
  • Entwicklung des Gruppendenken kann entstehen, was zu erhöhter Risikobereitschaft führt => kann dazu führen das gefällte Entscheidungen relativ kritiklos umgesetzt werden
  • Etablierung des Rollensystems:
  1. Rollensystem: Konzentriert sich auf das Erreichen der Ziele und arbeitet leistungs- bzw. aufgabenorientiert
  2. Rollensystem: Orientiert sich stärker an den Beziehungen u. emotionalen Bedürfnissen der Gruppenmitglieder
  • Rollensysteme unterscheiden sich meist deutlich, wobei erfolgsorientierte Teilnehmer nur in seltenen Fällen die beliebtesten sind
  • nur durch die komplementären Rollendifferenzierung wird die Gruppe aktionsfähig

es geht wieder Richtung Differenzierung

Gruppenleiteraufgaben

  • Gruppenleiter sollte sich weitgehend zurückziehen
  • beobachtende Position
  • nur noch moderierend eingreifen
  • Zusammenarbeit mit anderen Gruppen kann angeregt werden
  • Selbstständigkeit der Gruppe fördern

Phase 5 Trennung: Abschied und Neuorientierung

Gruppensituation

Ziel erreicht:

  • Auflösung der Gruppe, mit mehr oder weniger emotionaler Beteiligung
  • oder Finden neuer gemeinsamer Ziele => Gruppe bleibt so oder in erweiterter/verkleinerter Form bestehen

Integration

Gruppenleiteraufgaben

  • Übergang in neue Situation betreuen
  • Umstrukturierung des Gruppenzieles mit erarbeiten
  • Übertragung der abgelaufenen Lernprozesse auf die konkrete Realität verbessern (Transferhilfe)
  • Einzelnen seinen Weg gehen lassen
  • Hilfe für die Auswertung abgelaufener Prozesse anbieten
  • für angemessenen Abschluss sorgen

Inklusion

Inklusion heißt wörtlich übersetzt Zugehörigkeit, also das Gegenteil von Ausgrenzung. Wenn jeder Mensch – mit oder ohne Behinderung – überall dabei sein kann, in der Schule, am Arbeitsplatz, im Wohnviertel, in der Freizeit, dann ist das gelungene Inklusion.

In einer inklusiven Gesellschaft ist es normal, verschieden zu sein. Jeder ist willkommen. Und davon profitieren wir alle: zum Beispiel durch den Abbau von Hürden, damit die Umwelt für alle zugänglich wird, aber auch durch weniger Barrieren in den Köpfen, mehr Offenheit, Toleranz und ein besseres Miteinander.

  • Inklusionspädagogik in Kindertagesstätten beruht auf einer mehr als 200 Jahre alten Vorgeschichte
  • Ende des 20. Jhd., erste integrative Kindergärten
  • Inklusion ist:
    > Bereitschaft sein Gegenüber zu akzeptieren
    > Ähnlichkeit./Gemeinsamkeit. finden–Akzeptanz der Unterschiedlichkeit
    > Einigung erfordert keine einheitlich Interpretation, Ziele, Vorgehensweise
    > Position des anderen gelten lassen
    > immer nur bruchstückhaft und schrittweise zu realisieren

Exklusion

Ausschluss von Personen – Was nicht passt wird aussortiert

Integration

Es wird vorsortiert!

Inklusionskompetenz

Kann gesehen werden als Fokussierung allgemeiner pädagogischer Handlungskompetenz. Die Fokussierung liegt darin, dass Handwerkzeug, dass man als ERZ (Erzieher) mitbringt, kritisch zu überprüfen und grundlegend um ein Bewusstsein für Diversität sowie Diskriminierungs- und Ausschlussrisiken zu ergänzen.

Diversität

Diversität ist Vielfalt, Unterschiedlichkeit

analyt Ebene

  • Setzt sich zusammen aus individuellen und gruppenbezogenen Merkmalen.
  • Merkmale sind teilweise angeboren, teilweise individuell erworben, teilweise durch Gesetzte und institutionelle Praxis entstanden.
    > Geschlecht
    > Ethnie + Kultur, Nationalität, Sprache, sozialen Status, Alter, Gesundheit, Religion/Glaube, Generation, Beeinträchtigung
  • Allen Merkmalen ist gemein, dass sie nicht isoliert sondern kombiniert auftreten. Dies fördert Macht und Ungleichheit in der Struktur

normative Ebene

  • Steht Diversität dafür, Differenzen wertzuschätzen und als Ressource zu begreifen.
  • Betont Diversität die Einzigartigkeit von Individuen.
  • Diversität wendet sich eindeutig gegen Diskriminierungen aufgrund von: Nationalität, Alter, Sprache, Bildung usw.

 

Diskriminierung

Bezeichnet eine gruppenspezifische Benachteiligung oder Herabwürdigung von Gruppen oder einzelnen Personen.

Zielgruppen von Diskriminierung

  • Sexismus Frauen
  • Rassismus Menschen mit ausländischem Aussehen
  • Antisemitismus Juden
  • Homophobie Schwule, Lesben, Transsexsuelle

Diskriminierung aufgrund

  • der sozialen Klasse/Status (Classism) Sozialhilfeempfänger
  • religiöser Zugehörigkeit Muslime
  • jungen Alters (Adultism) junge Mütter, junge Chefs
  • des Alters (Ageism) alte Menschen, Rentner, zu alt für Job
  • von Behinderung, Beeinträchtigung, Behinderte, Kranke besonderen Bedürfnissen (Ableism)
  • Sprache (Linguizismus) Ausländer, krankheitsbedingt (stottern)

Stereotyp: Ein festes, vereinfachtes und verallgemeinertes Bild zur Charakterisierung bestimmter Gruppen von Menschen, das weit verbreitet ist.

Anti-Bias-Ansatz – Ansatz vorurteilsbewusster Erziehung

Was ist Anti-Bias?

Der Anti-Bias-Ansatz wurde Anfang der 1980er Jahre von Louise Derman-Sparks und Carol Brunson-Philips (sowie weiteren Absolvent_innen des Lehramtsstudiums) am Pacific Oak College in Kalifornien entwickelt.

Der Anti-Bias-Ansatz ist ein Ansatz der antidiskriminierenden Bildungsarbeit, der in der deutschen Bildungslandschaft seit einigen Jahren kontinuierlich an Bedeutung gewinnt.
Das englische Wort „bias“ bedeutet Voreingenommenheit oder Schieflage. Wir möchten mit diesen beiden Begriffen deutlich machen, dass neben dem Fokus auf individuellen Vorurteilen und Haltungen einzelner Menschen, insbesondere auch gesellschaftliche Schieflagen, Macht- und Herrschaftsverhältnisse in der Anti-Bias-Arbeit in den Blick genommen werden. Der Anti-Bias-Ansatz zielt darauf, für das Themenfeld Diskriminierung zu sensibilisieren, Mechanismen und Funktionsweisen auf subjektiver und gesellschaftlicher Ebene zu verstehen und die eigenen Perspektiven, Handlungsweisen und Positionierungen in ihrer Verstrickung mit gesellschaftlich vorherrschenden Selbstverständlichkeiten kritisch zu reflektieren.

Das Anliegen der Anti-Bias-Arbeit ist es, eine intensive erfahrungsorientierte Auseinandersetzung mit Macht und Diskriminierung zu ermöglichen und die Entwicklung alternativer Handlungsansätze zu diskriminierenden Kommunikations- und Interaktionsformen zu fördern.

Dabei versteht sich der Anti-Bias-Ansatz …

  • als persönliche Haltung und lebenslanger Prozess
  • als Ansatz politischer Bildungsarbeit
  • als Querschnittsaufgabe für Institutionen und Organisationen
  • als Aufforderung zur gesellschaftlichen Veränderung hin zu einer vorurteilsbewussten und diskriminierungsfreien Gesellschaft (Utopie)

Inhalt

Diskriminierung

Zentraler Inhalt der Anti-Bias-Arbeit ist die Auseinandersetzung mit Diskriminierung und Unterdrückung. Dabei konzentriert sich der Ansatz (anders als beispielsweise klassische Antirassismus- oder Antisexismustrainings) nicht auf eine spezifische Diskriminierungsform, sondern nimmt verschiedene Formen von Diskriminierung in den Blick und möchte Funktionsweisen und Mechanismen von Diskriminierung herausarbeiten. In diesem Zusammenhang sind besonders die vielschichtigen Verstrickungen und gegenseitigen Abhängigkeiten der verschiedenen Kategorien (wie z.B. soziale Klasse, sexuelle Orientierung, Gender, rassialisierende/ethnisierende Zuschreibungen, körperliche und geistige Gesundheit, Alter etc.) untereinander von Bedeutung.

Eine weitere Besonderheit des Anti-Bias-Ansatzes ist der Einbezug der individuellen und der gesellschaftlichen Ebene. Diskriminierung geht nicht allein von Vorurteilen Einzelner aus, sondern basiert auf vorherrschenden gesellschaftlich geteilten Bildern, Bewertungen und Diskursen und insbesondere auf der strukturell ungleichen Verteilung von Privilegien und Ressourcen. Dieser komplexe Zusammenhang reicht in vielen Fällen tief hinein in die institutionellen, rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen von Alltag und (pädagogischem) Handeln. Ein Ziel der Anti-Bias-Arbeit ist es, diese verschiedenen Dimensionen in ihren Bedeutungen bewusst zu machen und auch auf dieser Ebene Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.

Vorurteile und Differenzierungen

Desweiteren wird der Blick gerichtet auf das Themenfeld von Differenzierungen, Zugehörigkeiten, Zuschreibungen, von Bildern, Vorurteilen und Stereotypen. Die Auseinandersetzung mit Differenzierungen setzt bei der Reflexion eigener Zugehörigkeiten und eigener Selbstverständlichkeiten an. Dabei werden die subjektiven Bedeutungen und die gesellschaftliche Relevanz von Zugehörigkeiten thematisiert, und im Spannungsfeld von Fremdzuschreibungen und Selbstpositionierungen betrachtet.

Der Anti-Bias-Ansatz geht davon aus, dass alle Menschen Vorurteile haben, und zielt darauf, eine vorurteilsbewusste Haltung zu entwickeln. Die Arbeit zu Vorurteilen und Bildern umfasst weniger die Frage des WAS?, also die konkreten Inhalte der Bilder und Vorurteile, sondern vielmehr die Frage nach dem WIE?, also nach den Prozessen ihrer Herstellung, den Mechanismen der Aufrechterhaltung, dem Einfluss auf eigenes Handeln, und nach ihren Funktionen.

Es liegt die Annahme zugrunde, dass Vorurteile und Stereotype nicht als individuelle Fehlurteile zu sehen sind, sondern in der Gesellschaft als Ideologien institutionalisiert sind, als gesellschaftlich vorherrschende Wahrnehmungs- und Interpretationsmuster. Diese werden von Individuen erlernt. Dementsprechend können darauf basierende Verhaltensweisen wieder ‚verlernt’ und institutionalisierte unterdrückende Ideologien aufgedeckt und hinterfragt werden.

 


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