Erziehung, Bildung & Lernen

Definition

Erziehung ist soziales Handeln, welches bestimmte Lernprozesse bewusst und absichtlich herbeiführen und unterstützen will, um relativ dauerhafte Veränderungen des Verhaltens und Erlebens, die bestimmten Erziehungszielen entsprechen, zu erreichen.

Merkmale

  • Erziehung ist immer ein wechselseitiger Prozess zwischen dem Erzieher und dem Zu-Erziehenden
  • von dieser Interaktion ist der Erfolg der Erziehung abhängig
  • jedes Kind und jeder Erzieher reagiert anders
  • man baut zu jedem Kind eine andere Beziehung auf
  • Erziehung ist immer zielgerichtet
  • Erziehung ist immer beabsichtigte Lernhilfe
  • Erziehung strebt immer eine dauerhafte Veränderung des Verhaltens an

Bedingungsfeld der Erziehung

Beeinflussende Faktoren

  • Der Erzieher, der bestimmte Persönlichkeitseigenschaften Persönlichkeitsmerkmale besitzt und die zahlreichen Einflüsse (z.B. Trends) ausgesetzt ist.
  • Der zu Erziehende, der ebenfalls zahlreichen Einflüsse (z. B. Freundeskreis, Medien, Werbung) ausgeliefert ist und aufgrund seiner persönlichen Lerngeschichte durch seine Persönlichkeitsmerkmale die Erziehung mitbestimmt.
  • Der Bereich bzw. die konkrete Situation, in der die Erziehung stattfindet (Lernsituation). Damit ist die momentane bzw. aktuelle Umwelt gemeint, in der sich die Erziehung abspielt. (Bsp.: Familie, Kita, Schule, Heim)
  • Die Umwelt, in die die Erziehung eingebettet und die für den Erziehungsprozess nicht unerheblich ist. (Bsp.: kann die direkte u. indirekte Umgebung sein wie etwa die Wohnsituation/-gegend; kann auch ein kulturelles, soziales, ökonomisches, juristisches o. politisches System sein, das die Erziehung in Gestalt von gesetzl. Regelungen, Traditionen, Religionen und dgl. beeinflusst.)
  • Gesellschaftliche Ansprüche, wie bestimmte Gruppen, die durch politische Entscheidungen auf die Erziehung Einfluss nehmen können. (Gesellschaft versucht durch staatl. u. pädagogische Einrichtungen (Kita, Schule …) auf Ziele und Inhalte der Erziehung einzuwirken)

Erziehungsmaßnahmen und deren Wirkung

Alle Handlungen des Erziehers, mit denen er versucht, das Verhalten des zu Erziehenden relativ dauerhaft zu verändern, so dass es einem gesetzten Erziehungsziel entspricht.

Unterstützende Maßnahmen

Alle Maßnahmen, durch die ein angenehmer Zustand dargeboten bzw. hinzugefügt oder ein unangenehmer Zustand beseitigt wird.

  • Lob
  • Belohnung
  • Ermutigung
  • Spiel (z.B. um Gedächtnis zu verbessern ? Memory; Aufräumen als Spiel gestalten ? Baggerspiel/LKW-Spiel Bauklötze wegräumen)
  • Erfolg (z.B. Kind soll Tisch decken ? Beim Kind bleiben und so anleiten, dass es für das Kind einen Erfolg gibt)

Gegenwirkende Maßnahmen

Alle Handlungen, durch die ein unangenehmer Zustand dargeboten bzw. hinzugefügt oder ein angenehmer Zustand beseitigt wird.

  • Erinnerung (z. B. an Regeln oder Verhaltensvorschriften)
  • Ermahnung (namentlich jemanden direkt erinnern)
  • Tadel (z. B. Eintrag ins Hausaufgabenheft)
  • Drohung (Ankündigung einer Strafe)
  • Strafe (müssen im Zusammenhang stehen)

Direkte Maßnahmen

Alle Maßnahmen, die von Angesicht zu Angesicht erfolgen.

  • Erzieher sagt zum Kind: „Ich finde es nicht schön, dass du die Wand bemalst.“
  • Beispiel: Lob oder Tadel

Indirekte Maßnahmen

Alle Maßnahmen, bei denen der beschäftigte Einfluss über eine Situation, ein Objekt oder die entsprechende Gestaltung der Umwelt geschieht.

Beispiel:

  • ein vorbereiteter Parcours
  • im Fernseher die Sendung „Wissen macht Ah!“ gucken
  • Buch nicht einfach ins Bücherregel stellen, sondern gezielt positionieren

Faktoren, die die Wahl einer Erziehungsmaßnahme beeinflussen

  • das Verhalten des Zu-Erziehenden
  • Alter / Entwicklungsstand des Zu-Erziehenden
  • Absicht des Zu-Erziehenden (Wollte das Kind vielleicht nur helfen?)
  • die vorausliegenden Ereignisse (Was ist mit dem Kind vorher im Tag geschehen? Belehrung der Kind ? Was hat der ERZ den Kind vorher belehrend mitgegeben?)
  • Absicht und Ziel des Erziehers
  • die Wirkung der Erziehungsmaßnahme (Wenn Kind gern im Garten arbeitet, ist Unkraut zupfen keine Strafe)

Erziehungsstile

Autoritäre Erziehung

  • Kind muss hohen Erwartungen gerecht werden
  • strikter Gehorsam wird verlangt
  • psychologische Kontrolle des Kind
  • bei Nicht-Einhalten von Regeln folgen hohe Bestrafungen
  • kaltes + feindseliges Klima
  • Eltern stellen eigene Bedürfnisse & Vorstellungen in den Vordergrund

Vor-/Nachteile

  • Kind kann sich nicht frei entfalten, emotionale Vernachlässigung, entwickelt kein Selbstwertgefühl, neigt zur Aggressivität

Autoritative Erziehung

  • Eltern stellen Anforderungen an Kind
  • Verlangen Einhaltung von Regeln & Forderungen, diese werden Kind begründet!
  • Akzeptanz der Kind als ernstzunehmende Gesprächspartner
  • Ermutigung der Kind zur Autonomie/eigenen Standpunkt
  • Umfangreiche Unterstützung & emotionale Wärme
  • Kind muss sehr viel Eigenverantwortung zeigen

Vor-/Nachteile

  • Kind wachsen zu selbstsicheren & verantwortungsvollen Menschen heran, hohe soziale Kompetenz & Gerechtigkeitssinn, fügen sich gut in die Gesellschaft ein, können Wünsche & Gefühle ausdrücken
  • Eltern erfüllen ihre Konsequenzen immer zu 100 %

Permissive Erziehung

  • wenig Lenkung & Kontrolle durch Eltern
  • stellen wenig Anforderungen
  • Kind steuert sein Verhalten selbstständig
  • Keine Regeln, Grenzen, Vorschriften, Strafen + Konsequenzen
  • Verhältnis freundlich, warm > meist überfürsorglich, sehr verwöhnend

Vor-/Nachteile

  • Kind haben geringe soziale Kompetenzen und sind nur wenig Kompromissbereit
  • Kind können Bedürfnisse & Wünsche gut formulieren, schlagen dabei aber oft über die Stränge

Nachgiebige Erziehung

  • Eltern sind tolerant, warmherzig und dem Kind zugewandt
  • Üben wenig Lenkung & Strukturierung aus
  • Stellen wenig Forderungen an das Kind
  • Kind steuert sein Verhalten weitgehend selbst

Vor-/Nachteile

  • Desinteresse an Schule, neigen zu Drogen- und Alkoholmissbrauch
  • Hohes Maß an Selbstvertrauen, relativ hohe soziale Kompetenz

Vernachlässigende Erziehung

  • Eltern in jeder Sicht unbeteiligt, zurückgezogen
  • Desinteresse dem Kind gegenüber
  • Keine emotionale Zuwendung zum Kind
  • Haben kein Interesse das Verhalten des Kind zu lenken/bewerten
  • Erziehung lediglich sekundär durch Umwelt
  • Kind erhalten keine Geborgenheit, Sicherheit, Halt
  • Kind kennen keine Grenzen und Regeln
  • Körperliche + seelische Verwahrlosung

Vor-/Nachteile

  • Mangelnde Ernährung & Sauberkeit, mangelndes Selbstwertgefühl & Selbstkontrolle, finden selten allein aus Konfliktsituationen, neigen zu Drogen- und Alkoholmissbrauch

Bildung

Bildung ist der Prozess und das Ergebnis der Erschließung der Welt für den Menschen und des Menschen für die Welt durch aktive Auseinandersetzung des Einzelnen mit ihr.

Der gebildete Mensch kann/ist:

  • umfangreich gebildet
  • in der Lage sich neues Wissen anzueignen
  • theatralisches auch praktisch umsetzen
  • Vorbildfunktion
  • Verantwortungsbewusst
  • wissbegierig / möchte lernen
  • sich fügen / erfasst was notwendig ist

Merkmale

  • Aktive Auseinandersetzung mit der Welt

Erschließung der Welt für den einzelnen Menschen, Mensch lernt:

  • Zusammenhänge zu erkennen
  • mit der Welt umzugehen
  • sich angemessen zu verhalten

Erschließung des einzelnen Menschen für die Welt, Mensch lernt:

  • in der Welt zu leben, erschließt sich seine eigene Stellung in der Welt
  • sein Leben in der Welt selbstbestimmt und verantwortlich zu gestalten

Bildung ist der Prozess und das Ergebnis dieser Erschließung

–> subjektiver, persönlicher Vorgang, der sich in jedem Menschen vollzieht

Dieser Prozess muss durch Erziehung unterstützt werden

Lernen

Was bedeutet Lernen

Lernen ist ein nicht beobachtbarer Prozess, der durch Erfahrungen und Übungen zustande kommt und durch das Verhalten und Erleben relativ dauerhaft erworben oder verändert und gespeichert wird.

Unmittelbar beobachtbar sind die Ursachen, die diesen Prozess ausgelöst haben, und die neue bzw. geänderte Verhaltens- und Erlebnisweisen als Ergebnis des Lernvorgangs.
Bsp: Man Beobachtet, das ein Kind ein Wort spricht, zu einem späteren Zeitpunkt können wir wahrnehmen, dass es plötzlich zwei Wörter sagt. Den dazwischenliegenden Lernprozess können wir jedoch nicht beobachten.

Erworbenes bzw. verändertes Verhalten/Erleben darf nicht nur zufällig zustande kommen.
Bsp. Wenn ein Kind zufällig einmal das Hemd richtig überstülpt, so spricht man hier nicht vom Lernen.

Merkmale

  • Aneignung von Wissen – Übung u. a.
  • Anpassung an neue Situationen – Veränderung
  • Begreifen und Verstehen – Nachahmung
  • Vorbereitung auf Zukünftiges

Intentionales Lernen

Umfasst alle Lernprozesse, die von einem selbst oder von anderen Personen mit einer bestimmten Absicht (=Intention) bewusst ausgelöst werden.

Bsp.: Ich möchte Skifahren lernen. Hierbei handelt es sich um einen Lernprozess, den ich bewusst mit einer bestimmten Absicht herbeiführe.

Funktionales Lernen

Unbeabsichtigtes, zufälliges, ungeplantes, meist nicht bewusstes Lernen (ohne Absicht).

Bsp.: Obwohl mir das nicht bewusst ist, übernehme ich die Mimik und Gestik meines Vaters.

Didaktische Grundprinzipien

Prinzipien sind die Aspekte die Lernvorgänge einfacher machen

Prinzip der Kindgemäßheit

  • sich an Alter + Entwicklungsstand orientieren
  • Angebote spielerisch gestalten

Grundprinzip Lebensnähe

  • Kind das Umfeld nahebringen (zeitgemäß)

Grundprinzip der Anschaulichkeit

  • anschauen ist Prinzip der Erkenntnis
  • Lernangebote veranschaulichen

Mehrkanaliges Lernen + Handlungsorientierung

  • Lerninhalt in Teilschritten vermitteln

Individualisierung + Beteiligung

  • Neugierde wecken, Interessen beachten

Quellen


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